Donnerstag, 19. Dezember 2013

Training mit ExProfis - Vielleicht auch bald in Tunesien?

Am 14. November 2013 besuchte eine tunesische Delegation auf Einladung der GIZ das Bürger- und Jugendzentrum "et Sozi" im Kölner Stadtteil Vingst. Die Entscheidungsträger aus Politik und Verwaltung wollten sich dort über die Partizipationsmöglichkeiten junger Kölner in der Komunalpolitik informieren. Auf großes Interesse stieß bei ihnen das Projekt "Mitmischen in Köln" und die Aktion "Training mit ExProfis". 
Die Teilnehmer der Delegation arbeiten mit der GIZ (Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit) im Rahmen eines regionalen Stadtentwicklungsprogramms zusammen. Es beinhaltet auch den Themenbereich „Jugendpartizipation“. Bereits sechs tunesische Städte (Jendouba, Djerba, Midoun, Gabès, Gafsa und Monastir) haben sich an diesem Projekt beteiligt. 

In Köln und Münster wollten sich die Vertreter der Kommunen über das Thema Jugendpartizipation und ein stärkeres Engagement der Kommunen in diesem Bereich innformieren.
Heinz Sieke vom BZ Vingst/et Sozi (rechts im Bild) und Markus Thulin (im Bild links), ehemaliger Lehrer an der Ursula-Kuhr-Hauptschule in Köln Heimersdorf, erläuterten Ihnen die bisherigen Ergebnisse des Projekts "Mitmischen in Köln".
Zwischen Mai 2012 und Juni 2013 hatten die Schüler einer achten Klasse im Rahmen eines Planspiels Parteien gegründet, Wahlwerbespots aufgenommen und eine Ratssitzung im Kölner Rathaus simuliert. Eine Forderung der Schüler war es gewesen, ExProfis für Trainingsstunden zu gewinnen und sie so für Handball, Fußball oder Basketball zu begeistern. 

Am 10. Juni wurde an der Ursula-Kuhr-Schule ein großes Sportfest ausgerichtet:
https://www.facebook.com/TrainingMitExProfis 

Die Wahlwerbespots der Schüler-Parteien können Sie sich/könnt Ihr Euch hier anhören:

Einen Bericht über den Besuch der tunesischen Delegation im BZ Vingst/et Sozi finden Sie/findet Ihr hier:

Mittwoch, 27. November 2013

Es gibt hier keine Kinder...

Im Alter von 15 Jahren wurde Thomas Geve im Konzentrationslager Buchenwald befreit. Zu diesem Zeitpunkt war der jüdische Junge, der in Berlin aufwuchs, schon lange völlig auf sich allein gestellt. In Kinderzeichnungen verarbeitete er 1945 das Grauen des Lageralltags.
Thomas Geve nach seiner Befreiung 1945 [Foto: www.pianetapia.blogspot.com]
Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges war Thomas Geves Vater nach England emigriert, konnte die Familie jedoch nicht mehr nachholen. Die Mutter hatte er in Auschwitz verloren. Wie durch ein Wunder überlebte Thomas Geve im Januar 1945 den Transport im offenen Güterwagon nach Groß-Rosen und später Buchenwald.

Die Erinnerungen an diese Zeit hat Thomas Geve in 79 Zeichnungen festgehalten. Hierzu schreibt er: 

"Nach der Befreiung von Buchenwald wurde ich zu Block 29 im Hauptlager überwiesen, wo ich wohl der einzige Jugendliche und Jude unter deutschen Antifaschisten war. Dort zeichnete ich von April bis Juni meine Lebenserinnerung auf, ich wolle sie eines Tages meinen Eltern zeigen."
Desinfektion [Foto: http://www.ikv-gera.de]
Thomas Geve lebt heute in Haifa, Israel. Eine öffentliche Ausstellung seines Werkes lehnte er nach dem Krieg ab. Erst jetzt, als Pensionär, hat er den nötigen Abstand gefunden, um im Rahmen zahlreicher Reisen durch Europa über sein Werk zu sprechen. Seit 1985 befinden sich Thomas Geves Bilder in der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. 

Vom 8. Mai bis 3. August 2014 werden originalgetreue Reproduktionen der Zeichnungen im El-De-Haus, dem NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln zu sehen sein.
Aussuchung zum Tod [Foto: http://corsowebwriting.wordpress.com/]
Thomas Geve wird der Ausstellungseröffnung am 8. Mai bewohnen. Im Rahmen der Werkschau gibt es für interessierte Jugend- und Erwachsenengruppen die Möglichkeit, sich mit ihm über die Entstehung der Zeichnungen und seinen Aufenthalt im Konzentrationslager auszutauschen.

Dr. Jörn Wendland [Kontakt] und Markus Thulin [Kontakt] sind für die Konzeption und das Begleitprogramm der Ausstellung verantwortlich.

Freitag, 22. November 2013

Salpeter aus der Atacama

1879
Chile führt Krieg gegen Bolivien und Peru
Der so genannte Salpeterkrieg - eigentlich der Nitronatrit-Krieg
Die Hauptvorkommen dieses begehrten Rohstoffes befinden sich in der der Atacamawüste
Bolivien (Film) verlor die Atacama und damit auch die Abbaugebiete
Hier liegt der Aufstieg Chiles zu einer wirtschaftlichen und militärischen Vormacht im Cono Sur, den unter dem Äquator liegenden Ländern Südamerikas, begründet.

Doch der darauffolgende Salpeterboom war nur von kurzer Dauer.
Anfang der 1930er Jahre brach der Salpetermarkt nach der Einführung der in Deutschland entwickelten Ammoniak-Synthese durch Fritz Haber und Carl Bosch zusammen.
Fritz Haber (1868-1934) [Foto: wikipedia.org]
Carl Bosch (1874-1940) [Foto: wikipedia.org]
Amoniak und Salpetersäure lassen sich also zu Ammoniumnitrat verbinden.

Ammoniumnitrat ist ein Salz, das sich aus Ammoniak und Salpetersäure bildet.

Salpeter = Natriumnitrat

Das Wort Salpeter leitet sich ab von der Salpetersäure. Salpeter ist die bekannteste stabilie Sauerstoffsäure des Stcikstoffs - eine Mineralsäure. Die Salze der Salpetersäure bestehen aus Nitraten. Eines dieser Nitrate ist das sogenannte Chilesalpeter oder Natriumnitrat.

Natriumnitrat ist das wichtigste natürlich vorkommende Nitrat. Als Mineral kommt es als Nitronatrit vor. Man kann es aus den Kristallen in den Gesteinsschichten der Atacama gewinnen. 
Kleine weiße Nitronatrit-Kristalle, bedeckt mit hellbraunen Ton [Foto: wikipedia.org]
Oder aus Vogelkot....
Quelle: http://www.spreadshirt.at

Die größten weltweiten Vorkommen der Kristalle (auch im versteinerten Vogelkot) befinden sich in Nordchile (früher Bolivien).
 
Die anhaltende Trockenheit ließ das Wasser in den Bodenschichten der Atacama in tausenden von Jahren verdunsten. Dadurch lagerten sich Kristalle an der Oberfläche ab. Es gibt keinen Regen und keine Flüsse, die das Material wegschwemmen.

Exakte Lokalisierung in den Regionen Antofagasta, Taracapá, Atacama und der Region de Arica y Parinacota
Abbau des Nitronatrits in den vier nördlichsten Regionen Chiles [Quelle: http://www.holaquetal.com/blog-hispanoamerica]
Eines der in Nordchile abgebauten Nitronatrite nennnt man Humberstonit
- zu Ehren des Chemikers James Thomas Humberstone (1850-1939). Dessen wissenschaftlichen Beiträge ermöglichten einen kostengünstigere Abbau des Nitrats aus dem Gestein der Atacama.

Nutzung
Das gewonnene Nitrat oder Salz in Verbindung mit Amoniak bildet das Ammoniaknitrat. Jenes kann man zur Herrstellung von Dünger und Sprengstoff verwenden. Der einstmals expandierende Abbau ist jedoch aufgrund der künstlichen Herrstellung fast völlig zum Erliegen gekommen. Die Humberstone-Mine (49km östlich der Stadt Iquique) ist zu einer von tausenden Touristen besuchten Geisterstädte geworden.
Ghosttown Humberstone: [http://coolinterestingstuff.com]
Ivo Serge  : Humberstone
Rost, Ruinen und Schrott,
Einsamkeit und Stille.
Flirrend im gleißenden Licht.
Verlassen, verstummt die Maschinen Die Bateas¹, durstig, verwaist,
Verwüstet und öde die Cachuchos²,
Hohlbäuchig die hungrigen Canchas³,
Gähnende Leere unter Sonne und Wind.

¹ Kristallisierpfannen
² Wannen zur Auslaugung der Salpetersalze
³ Trockenlagerplätze
 
Seit 1970 sind die verlassenen Minen nationale Monumente Chiles, seit 2005 UNESCO- Weltkulturerbe.

Dienstag, 19. November 2013

Von Handys und Flamingos

Lithiumabbau in Chile
Schmiermittel, Batterien, winzige Herzschrittmacher, Elektroautos, Hochleistungsspiegel für Großteleskope, Raumfahrzeuge, Kernfusionsreaktoren - Lihium ist vielseitig einsetzbar und mitlerweile unersetzlich für viele Bereiche unseres täglichen Lebens.
Doch wo und wie wird es abgebaut? Schädigt die Rohstoffgewinnung die Umwelt?
Weltweit gibt es nur 11 Lagerstätten für Lithium. Es kommt seltener als Natrium doch häufiger als Zinn vor. Drei der Lagerstätten sind Sole- also Salzminen. Doch dort wird fast 60% der Lithium-Weltproduktion in riesigen Verdunstungsanlagen herausgefiltert.

Überhitz Lithium, kann es zur Explosion kommen - wie hier bei diesem Handy [Foto: www.blick.ch]


Lithium ist das leichteste Metall der Erde (0,53g/cm3) und außerdem extrem leitfähig. Der begehrte Rohstoff wird seit den 1980er Jahren im immer größeren Stil in einer nahezu unbesiedelten Region der Anden, im Südwesten Boliviens und im Norden Chiles, abgebaut. Dort befinden sich in großen Salzseen die direkt an der Erdoberfläche liegende Vorkommen des Metalls.
Sowohl im "Salar de Atacama" (Chile), also auch im "Salar de Uyuni" (Bolivien) vermutet man heute die größten Lithiumvorkommen der Welt. Während die Förderung in Bolivien aufgrund der Armut des Landes und der über einen langen Zeitraum instabilen politischen Lage erst jetzt so richtig in Gang kommt, gibt es im Bereich des Aatacamasees schon viele große Abbaugebiete.
Die Karte zeigt die Lage der Atacamawüste, in der sich der Atacamasee befindet [Foto: http://www.geschichteinchronologie.ch]
Der Salar de Atacama liegt in der II. Region Chiles – 200km östlich der Hafenstadt Antofagasta. Seine Ausmaße liegen in Nord-Süd-Richtung bei 90 in Ost-West-Richtung bei ungefähr 50 Kilometer. Der Salzsee liegt auf der tiefsten Stelle eines abflussfreien Beckens (2300m über dem Meeresspiegel) begrenzt von der 4000 Meter hohen Westkordillere "Demeyko" mit dem 4200m aufragenden "Cordon Barros Arana" und dem mehr als 6000 Meter hohen Gebirgszug der Anden (Vulkane "Aguas Calientes" und "Lascar").
 
Der Cordon Barros Arana [Foto: http://www.panoramio.com]
Vulkane Aguas Calientes (5924m. li.) und Lascar [Foto: www.andes.org]
Unterhalb der 0,5 Meter dicken Salzkruste ist der Salar ähnlich wie ein poröser Schwamm aufgebaut, wobei die ausgebildeten zahllosen Hohlräume bis in einer vermuteten Tiefe von 200 Meter mit soligem Wasser gefüllt sind.

Die Lithiumvorkommen sind bislang größtenteils nicht regenierbar. Ein extrem langer Entstehungsprozess, in dem in Falle der Atacamawüste ein ganzer Ozean verdunstete und dabei Salz und Mineralien zurückließ, brachte dem Norden Chiles den neben dem Kupferabbau wichtigsten Rohstoff des Landes. Die Rohstoffe der Atacamawüste, der trockensten Wüste der Erde, sind Chiles Reichtum, Exportschlager, politisches Druckmittel und Schicksal geworden. Schon kurz nach der Staatsgründung errang das Land Ende des 19. Jahrhunderts in einem Krieg mit Bolivien und Chile die Abbaurechte der einstmals so wichtigen Salpetervorkommen. Die Abbaugebiete dieses für Dünger und Schießpulver wichtigen Rohstoffes sind heute verwaist. Lithium ist die neue Goldader der Atacama. Doch vor der staatlichen chilenischen "Sociedad Miniera Salar de Atacama" gilt das deutsche Unternehmen "Chemetall" als größter Lithiumförderer - und produzent der Welt.
Foto: http://www.chemetall.com
Zur Produktpalette des Frankfurter Unternehmens, welches Teil des US-amerikanischen Rockwood-Konzern ist, gehören 170 Produkte. Deutsche Wissenschaftler sind es auch, die den Lithiumanteil im bolivianischen Salar de Uyuni messen und neue Methoden entwickeln, den wertvollen Rohstoff zum Beispiel durch das Recycling von Batterien, nicht mehr alleine aus den Soleminen zu gewinnen.
Umweltprobleme
Für die Erzeugung von Lithium wird die Salzlake (Grundwasser mit einem hohen Mineralanteil) aus dem Boden in Teiche zum Verdunsten gepumpt. Durch zahlreiche Verdunstungsschritte kann das Lithium-Karbonat weiterverarbeitet werden. 
Der Lihium-Abbau stellt eine große Umweltbelastung dar [Foto: http://www.reduse.org/de/blog/lithium-gewinnung]
Der Lithium-Abbau führt in den Abbaugebieten zu einer Verringerung der ohnehin schon knappen Wasservorräte, da im Rahmen der Produktion Wasser verdunstet wird. Gerätschaft und Transportmittel verursachen eine beträchtliche Umweltverschmutzung. Als letzte Konsequenz führt die Ausweitung der Abbaugebiete zum Aussterben der heimischen Pflanzen- und Tierarten (Flamingos brüten hier) sowie der Versorgungsgrundlage der Ureinwohner (oft Salzgewinnung). Der folgende Film zeigt am Beispiel Boliviens eindrücklich, wie die Salzproduktion am Salar de Uyuni das uralte Gleichgewicht zwischen Natur und Mensch in Gefahr bringt:

„Bolivien im Lithium –Rausch“

Mittwoch, 13. November 2013

Die Schätze der Atacama

Bergbau in der trockensten Wüste der Erde 


Chilenische Minen decken ein Drittel des globalen Kupferbedarfs. Und auch sonst ist der Andenstaat in Bezug auf seine Rohstoffvorkommen ein Land der Superlative. Das größte Kupferbergwerk der Welt in Chuquicamata (Atacamawüste) kann man vom Weltraum aus erkennen. Und die Rettung von 33 verschütteten Bergarbeitern der Gold- und Kupfermine San José war ein globales Medienspektakel....
Lithiumabbau im Salar de Atacama
 Kupfer, Lithium und Salpeter haben Peruaner, Chilenen und Bolivianer unermeßlich reich oder bettelarm gemacht. Der Krieg "ums weiße Gold" Salpeter, obwohl vor über 130 Jahren ausgefochten, beschäftigt heute sogar Hollywood-Schauspieler Sean Penn.

Ein Vortrag mit anschließender Diskussion in der Volkshochschule Bonn. Der Eintritt ist frei. 

25. November 
18:00-19:30 Uhr

Für die Anmeldung bitte auf folgenden Link klicken:

Mittwoch, 6. November 2013

Kabale und Liebe - Das Publikumsgespräch

Im Anschluss an jede Aufführung von Kabale und Liebe gibt es ein Publikumsgespräch mit den Zuhörern. Nicht selten nehmen 180 Schüler daran teil.
Regisseur Christoph Wehr leitet das Gespräch von der Bühne aus
Der Darsteller des "Wurm", OliverSchnelker, im Gespräch mit Schülern
Ferdinand von Walter, dargestellt von Benedikt Hahn
Die Herausforderung ist es, eine solch große Anzahl von Schülern in das Gespräch, besser noch die Diskussion, einzubinden. Nach einer kurzen Pause im Anschluss an die Aufführung mischen sich die Darsteller unter das Publikum. So können sie die Kritik, die Fragen oder das Lob der Zuschauer an Regisseur Christoph Wehr auf der Bühne weitergeben. Viele der Fragen befassen sich mit der Kleidung der Darsteller, der Charakter- zeichnung der Hauptprotagonisten Luise und Ferdinand sowie der Rolle des Sekretärs Wurm: Warum sieht Luise so punkig aus? Wieso korrigiert Sekretär Wurm immer wieder die Aussagen der anderen Schauspieler? Ist es beabsichtigt, dass Ferdinand "unsympathisch rüberkommt"?
Das Publikumsgespräch dient den Schülern zur Klärung ihrer Fragen, dem Team von DRAMA-TISCH zur Weiterentwicklung der Inszenierung. 
Beim Gespräch im Anschluss an die Aufführung am Städtischen Gymnasium Köln Deutz (06.11.2013) kam die Frage auf, ob die Schüler die Ergebnisse der Diskussion nicht auch schriftlich fixieren sollten, um die gewonnenen Erkenntnisse besser in den Literaturunterricht übertragen zu können.

Fotos: M. Thulin

Mittwoch, 30. Oktober 2013

Memorias revividas - Wiedererlebte Erinnerungen

Diesen Artikel können Sie/könnt Ihr auch auf Spanisch lesen [link]:
 
Del golpe a Malvinas en la literatura y el cine actual - Vom Militärputsch bis zum Krieg um die Falklandinseln in der Literatur und im Kino

Ein Workshop am Romanischen Seminar der
Universität zu Köln
17. & 18. Oktober 2013


Die Teilnehmer der Konferenz besuchten am 18. Oktober das Kölner NS-Dokumentationszentrum
Im Gespräch mit dem Direktor des Museums und der Gedenkstätte El-De-Haus, dem Kölner NS- Dokumentationszentrum, Dr. Werner Jung (rechts im Bild)
 Im Anschluss zeigte Markus Thulin den Teilnehmern des Workshops das ehemalige Gefängnis der Gestapo in Köln sowie die Dauerausstellung "Köln im Nationalsozialismus"
Markus Thulin (re.vorne) im Gespräch mit argentinischen Schriftstellern und Literaturwissenschaftlern am Eingang zum Gefängnistrakt
re. vorne im Bild: Der argentinische Botschafter Daniel Polski
Am 2. April 1982 besetzte argentinisches Militär die seit 1833 von Großbritannien besetzt gehaltenen Falklandinseln (span: Malwinas). Die Niederlage im damit ausgelösten Falklandkrieg läutete das Ende der argentinischen Militärdiktatur ein. Noch heute sind die Erinnerungen an die blutige Auseinandersetzung mit England, der Verlust der nationalen Souveränität über die Inselgruppe, ganz besonders jedoch die Verbrechen der Militärjunta in allen Medien des südamerikanischen Landes präsent. Inwieweit macht die Vermittlung in Schrift, Bild und Ton die Auseinandersetzung der Kunstschaffenden mit diesem Thema erlebbar? Dieser Frage gingen die Teilnehmer der Konferenz nach. Ein Besuch des Kölner NS-Dokumentationszentrums, dem ersten dieser Art in Deutschland, gab ihnen einen Eindruck der Auseinandersetzung der Kölner mit diesem dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte.
[Fotos: M.Thulin]

Mittwoch, 2. Oktober 2013

Ed Kowalczyk - live im Kölner Luxor - 27.09.2013



Das Luxor ist ausverkauft. Es drängen sich deutsche und niederländische Fans vor der Bühne, die der Ex-Frontmann der Band Live pünktlich um 20:00Uhr betritt.
All over you
gab nach dem Konzert Autogramme: Ed Kowalczyk
Herr Kowalczyk fordert zum Mitsingen auf. Die Lagerfeuerromantik ist sofort da, kann sich jedoch bei den zwei folgenden Liedern (noch) nicht halten.
The distance
The great beyond
Letzterer Song ist vom ersten Soloalbum “Alive” (2009). Vor vier Jahren haben sich Kowalczyk und seine drei Bandkollegen nach sieben Studioalben im Streit getrennt. Der Rumpf der Band hat für 2014 ein neues Album mit neuem Sänger angekündigt. 

Doch zurück zum Konzert. Es folgt ein Lied der neuen CD:
All that I wanted (neues Album)
The dolphins cry von dem Album “The distance to here”
Nun ist sie wieder da – die Mitsingromantik. Die meisten seiner Konzerte der aktuellen Europatournee bestreitet Kowalczyk (wie üblich) zwischen Groningen und Brüssel. Allein in den Niederlanden hat sich „The distance to here“ 1999 über 500 000 Mal verkauft.
Angels on a razor (neues Album)
Ed Kowalczy steht nicht alleine auf der Bühne. Wingman ist der Bassist John Rosenberg, der ihn auch gesanglich unterstützt – zuverlässlich aber zurückhaltend.
Selling the drama
Seven (neues Album)
Der Vergleich: Das Konzert der aus Mitgliedern von Candlebox und den übrigen Mitgliedern der Band Live gegründeten „Gracious Few“ im Februar 2011 hier im Luxor wollten nicht einmal halb so viele Jünger des 1990er-Jahre-Alternative-Rock sehen.
Ed Kowalczyk singt "Seven" in Heerlen (Niederlande):
Pain lies on the riverside
Nicht alle Lieder haben diese Lagerfeuerromantik. Es sind gerade die zwischen 1991 und 1994 veröffentlichten songs, die zum Mitsingen einladen. Die Lieder des neuen Soloalbums „The Flood and the mercy“ hat Herr Kowalczyk wohl nicht mehr am Lagerfeuer oder mit den Kumpels im Proberaum, eher am Pool seiner Villa, einen Rotwein schlürfend und den drei Töchtern beim Spielen zusehend, geschrieben.
Das Cover des neuen Albums "The Flood and the mercy" [Foto: http://www.tonedeaf.com.au]
 Leider wurde bei „pain lies on the riverside“ nicht die bemerkenswerte Basslinie der Originalversion auf die Bühne übertragen.
Cover – Bruce Springsteen – “I’m on fire
Shepherd
Heaven
Früher besang Ed Kowalczyk „the beauty of grey“, heute “God and truth”
I alone
Jetzt hat er die Fans endlich auf seine Seite gezogen. Das Publikum im gesamten Raum singt von nun ab kontinuierlich und lautstark mit.
I am overcome
Run to the water
The one (neues Album)
Lightning crashes
Im Mittelteil des Liedes baut er eine Lobpreisung Gottes ein. Seine spirituelle Ausrichtung und deren offensive Verbreitung soll ein Grund für die Unzufriedenheit der Band mit ihrem Ex-Frontman gewesen sein. Doch der weiß das Publikum an diesem Abend auch ohne die alten Kameraden souverän zu führen und zieht vor einem raschen und unspektakulären Abgang noch einmal alle Register:
Turn my head
Dance with you
Ed Kowalczyk könnte für die kommende Tour tatsächlich über größere Konzerträume nachdenken. Schließlich hält man ihm nicht nur in Köln die Treue. Und seine Kompositionen aus den 1990er Jahren sind zeitlos schön. Das neue Album kauft man sich natürlich auch. Bei Bedarf inklusive Bekehrung.

Alle Infos zu Live und Ed Kowalczyk unter:

Dienstag, 10. September 2013

Melodien für Diktatoren

Kayne West gibt Privatkonzert für Enkel des kasachischen Präsidenten
Wer wünscht sich da nicht, Enkel eines Diktators zu sein? Für 3 Millionen Dollar buchbar - Kanye West Anfang September live bei einer Familienfeier des Nasarbajew-Clans [Foto: www.promicabana.de]

Nursultan Nasarbajew ist seit 1990 Präsident Kasachstans. Am 3. April 2011 wurde er mit 95,5% der Wählerstimmen im Amt bestätigt. Die Wahlen wurden von der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) aufgrund "gravierender Unregelmäßigkeiten" kritisiert. [Foto: wikipedia.org]
Doch nicht nur Kanye West, auch andere US-amerikanische Sänger wurden für einen Privatauftritt angefragt. 2011 sagte Sting jedoch aufgrund der Menschenrechtsverletzungen am kasachischen Volk durch Polizei und Militär ab. US-Ölfirmen sind da nicht so zimperlich und hoffieren Nasarbajew. Kasachstan ist reich an Bodenschätzen. 

Kanye West ist leider nicht der einzige "Megaseller" der US-Popbranche, für den Sting kein Vorbild zu sein scheint: Jennifer Lopez hat im Juni 2013 "Happy Birthday, Mr. President" für Turkmenistans nicht weniger undemokratisch regierenden Machthaber Gurbanguly Berdymuchammedow gesungen:

Montag, 2. September 2013

Chiles "9/11" - Teil IV

Obduktion eines Putsches

Am 4. September 1970 wurde Salvador Allende mit 36,3% der Stimmen zum Präsidenten Chiles gewählt. Bevor er das Amt übernehmen konnte, wurden  von Seiten radikaler Gegner und der US-amerikanischen CIA  mehrere Versuche unternommen, den Regierungsantritt des überzeugten Demokraten am 4.November zu verhindern. Den ersten Mordanschlag überlebte Salvador Guillermo Allende Gossens, geboren 1908 in Santiago, noch bevor er vom Parlament zum Präsidenten gewählt wurde.
Salvador Allende (Mitte) kurz vor seinem Tod am 11.09.1973 [Foto: lsg.musin.de]
Allende wurde in einer Zeit Präsident, in der die Chilenen innerhalb von 40 Jahren die Bürgerrechte der Französischen Revolution, mehrere autoritäre Regierungen, die Gleichstellung von Frau und Mann und die Durchführung freier Wahlen erlebten oder zumindest kennenlernten. Seine dreijährige Regierung stand für den ersten großen Höhepunkt der gesellschaftlichen Partizipation breiter Bevölkerungsschichten. Am Ende der Präsidentschaft Allendes etablierte sich in absoluter Verkehrung ihrer Ziele die erste Diktatur Lateinamerikas, deren Macht durch eine Verfassung zementiert wurde. Allendes Vision des demokratischen Sozialismus wurde durch die von Waffengewalt protegierte Öffnung der Märkte angeführt von General Augusto Pinochet (1915 - 2006) hinweggefegt.

Der Neoliberalismus ist eine Erfolgsgeschichte. Nicht nur in Chile, in vielen Ländern Lateinamerikas wurde er nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer Richtlinie, die entweder mit aller Macht bekämpft (Allende) oder durchgesetzt (Pinochet) wurde. Doch in keinem anderen Land wurde die Marktliberalisierung, der Abbau von Schutzzöllen, die Einschränkung der Arbeitnehmerrechte und die Privatisierung des öffentlichen Sektors so radikal umgesetzt wie in Chile. Dabei hatte die Vorgängerversion, der Liberalismus, auch in Chile zuvor glänzend versagt.

General Augusto Pinochet [Foto: hispaniclondon]
Volksfrontbewegungen, die sich während der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre als Gegenmodell zur chauvinistische Weltanschauung des Faschismus  z.B. in Frankreich gebildet hatten, versuchten, eine gerechtere Verteilung der enormen chilenischen Reichtümer (z.B. Kupfer) durchzusetzen. Unter Allende kam es zur letzten großen Auseinandersetzung mit denen, die etablierte Positionen nicht aufgeben wollten. 


Und während sich in der Bundesrepublik Deutschland trotz ernsthafter Krisen so etwas wie eine soziale Form der freien Marktwirtschaft zur weltweiten Vorbildfunktion entwickelte, ging in Chile die radikale und kompromisslose Form der Mitbestimmung über das was wir 'Gemeingut' nennen, in einem blutigen Militärputsch unter. Ganz sicher waren die USA über den verlängerten Arm von Wirtschaftssanktionen und CIA-Aktionen am Sturz der Regierung Allendes beteiligt. Gestürzt wurde sie jedoch in erster Linie von den Chilenen selbst bzw. ihrer Indifferenz als die Luftwaffe am 11. September 1973 den Präsidentenpalast bombardierte.

Im März 1973 errang Allende einen Pyrrhussieg, als er mit einem spektakulären Wahlerfolg im Amt bestätigt wurde. Seine Wiederwahl trieb die Opposition endgültig auf die Seite seiner radikalen Gegner. Als Salvador Allende Selbstmord begang, um der Verhaftung zu entgehen, da gab es nur vereinzelt Widerstand in der Bevölkerung. Das sozialistische Experiment war an seiner Institutionalisierung, dem Versagen seiner Verteidiger sowie einer gegnerischen Allianz aus Neoliberalismus und Faschismus gescheitert.

Bereits auf Zentrodada erschienen:

Vortragsankündigung

Das schwierige Erbe der Diktatur

Allende - Ein Fan Rudolf Virchows

Donnerstag, 22. August 2013

Chiles "9/11" - Teil III

Vortrag am 11. September 2013 um 19:30 Uhr in der VHS Frechen

Salvador Allende [Foto: diezukunftgehoertallen.wordpress.com]
Anmeldung auf der Website der VHS Frechen:

Donnerstag, 1. August 2013

Der persönliche Assistent

Der neue Post auf Schreibmahlzeit

Ich bin der „persönliche Assistent“ einer contergangeschädigten Frau. Sie hat keine Arme und keine Beine. Die winzigen Hände sitzen direkt an ihren Schultern. An jeder Hand befinden sich vier Finger. Beim schriftlichen Test für das Auswahlverfahrens des höheren Dienstes des Auswärtigen Amtes habe ich eine Studentin kennengelernt, die auch so eine Frau betreut....

Möchten Sie/Möchtet Ihr gerne weiterlesen?

Donnerstag, 18. Juli 2013

Chiles "9/11" - Teil II

Das schwierige Erbe der Diktatur

Ein Dossier über Chile 40 Jahre nach dem Putsch in den "Lateinamerika Nachrichten"

Mit dem vorliegenden Dossier möchte die Redaktion der Lateinamerika Nachrichten die Hintergründe der heutigen Situation beleuchten. Zunächst zeigt LN-Mitbegründer Urs Müller-Plantenberg die Kontinuitäten des unter der Militärdiktatur eingeführten neoliberalen Wirtschaftssystems auf. Markus Thulin beleuchtet in seinem Beitrag exemplarisch die konkreten Folgen des Neoliberalismus für das chilenische Gesundheitssystem. Anschließend beschreibt Oliver Niedhöfer einige Absurditäten des ebenfalls noch aus Diktaturzeiten stammenden binominalen Wahlsystems. Über die schwache Position der Gewerkschaften schreibt Nicolás Véliz Rojas. Auch wenn sich die Menschenrechtslage im Vergleich zur Diktatur deutlich gebessert hat, reagiert der chilenische Staat auf Proteste mit Repression, wie David Rojas Kienzle in seinem Beitrag aufzeigt. Insbesondere trifft die Repression die Studierendenbewegung, die Steve Kenner vorstellt und die indigenen Mapuche im Süden des Landes. Über die Hintergründe des Mapuche-Konliktes berichtet Llanquiray Painemal.
Erster Teil unserer Blog-Reihe zum 40. Jahrestag des Militärputsches in Chile: